
Unter den Wiederaufnahmen, die die Spielzeit der Staatsoper Stuttgart traditionell abschließen, ist die Inszenierung von Rossinis Il barbiere di Siviglia fast immer vertreten. Sie stammt aus dem Jahr 1993 und wurde von Beat Fäh, einem Schweizer Regisseur und Autor, konzipiert, der im Laufe seiner Karriere über hundert Theaterstücke und Opern inszeniert hat. Diese elegante Inszenierung, geprägt von subtilem Humor und einem Hauch von Absurdität, ist Rossinis paradoxer Komödie perfekt angepasst und wahrt den Text in vollem Umfang, ohne die im Theaterjargon als caccole bekannten vulgären Ausdrücke. Ein Kontrabass samt Koffer, der im Laufe der Handlung als Kleiderschrank und Bank dient, bildet den dramatischen Dreh- und Angelpunkt einer Inszenierung, die beim Stuttgarter Publikum immer noch sehr beliebt ist. In 33 Jahren wurde sie über hundert Mal aufgeführt und zieht weiterhin Zuschauer aller Generationen an.

Viele Sänger haben an dieser Produktion mitgewirkt, darunter ein sehr junger Jonas Kaufmann in den Jahren 1998 und 2000. Die Besetzung der diesjährigen Wiederaufnahme umfasste einige der besten jungen Stimmen des Staatsopernensembles unter der Leitung von Vlad Iftinca, einem sehr erfahrenen Musiker, der mehrere Jahre als Solorepetitor an der Metropolitan Opera in New York arbeitete. Seit 2020 ist der geburtige Rumäne als Leiter des Opernstudios an der Staatsoper Stuttgart tätig und dirigiert darüber hinaus zahlreiche Aufführungen. Sein Dirigat zeugte von großer Kompetenz in der Begleitung der Sängerinnen und Sänger, profunder Kenntnis der Partitur und der Fähigkeit, der Geschichte einen mitreißenden theatralen Rhythmus zu verleihen.

Die Besetzung wurde von der herausragenden Leistung eines Hauptdarstellerpaares dominiert, dessen komisches Timing perfekt aufeinander abgestimmt war und das vor Vitalität sprühte. Claudia Muschio, die zum ersten Mal an der Staatsoper einen Rossini sang, verkörperte eine bezaubernde Rosina mit ihrer Mischung aus Schalk, Mut, Entschlossenheit und Naivität. Die junge Sängerin aus Brescia demonstrierte einmal mehr ihre vollendete stimmliche Virtuosität mit punktgenauer Präzision in ihren Koloraturpassagen und tadellosem Geschmack bei der Wahl ihrer Variationen (wie alle Koloratursopranistinnen, die diese Partie gesungen haben, sang auch sie die erste Arie in F-Dur, die Gesangsstunde im zweiten Akt jedoch in der Originaltonart). Es war eine erstklassige Darbietung, zweifellos eine der besten der letzten Jahre, von einer Sopranistin, die nun endgültig für eine große internationale Karriere bereit ist.

An ihrer Seite verkörperte Björn Bürger einen theatralischen, energiegeladenen und ungestümen Figaro, einen wahren Meister der Bühne, der zudem mit einer Stimme von wunderschöner Qualität und Resonanz hervorragend sang. Der Trentiner Bass Giulio Mastrototaro verkörperte Don Bartolo mit geschmackvoller Strenge und einer kultivierten, völlig schnörkellosen Charakterzeichnung. Er bildete einen perfekten dramatischen Kontrast zu den beiden so vitalen Protagonisten und gab eine autoritäre Figur, ganz anders als der übliche alte Trottel, den man aus so vielen anderen Rossini-Inszenierungen kennt. Der kanadische Tenor Charles Sy wurde als Graf Almaviva für seine gute Bühnenpräsenz und seine diskrete Virtuosität gelobt. Der junge koreanische Bass Jungwoon Lee, Mitglied des Opernstudios der Stuttgarter Staatsoper, stellte einen überzeugenden Basilio dar, der zudem gelassen und angemessen elegant wirkte. Insgesamt war diese Aufführung bewundernswert, denn die Darsteller wirkten sichtlich vergnügt und unterhielten ein Publikum, das schließlich begeistert applaudierte.
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