Bayerische Staatsoper – Faust

Foto ©Geoffroy Schied

Die diesjährigen Münchner Opernfestspiele, traditionell der Abschluss der Spielzeit der Bayerischen Staatsoper, waren mit einer durchschnittlichen Auslastung von 98 % ein bemerkenswerter Erfolg. Seit Jahren versuche ich, diese Festspiele mindestens einmal zu besuchen, zumal diese bayerische Stadt zu dieser Jahreszeit bei herrlichem Wetter die perfekte Gelegenheit bietet, ihre ganze Schönheit zu genießen. Nach der Neuinszenierung der Walküre besuchte ich zwei weitere Produktionen, die im vergangenen Frühjahr Premiere feierten. Die erste war Gounods Faust, inszeniert von Lotte de Beer, einer niederländischen Regisseurin, mit der ich zuvor schlechte Erfahrungen gemacht hatte, darunter eine schwache Inszenierung von Puccinis Trittico in München und ein Don Carlos in Stuttgart, den ich ebenfalls als unterdurchschnittlich empfand. Ich muss sagen, dass meine pessimistischen Erwartungen in diesem Fall durch eine insgesamt stimmige und geschmackvolle Inszenierung widerlegt wurden. Die Regie basierte auf einem rotierenden Bühnenbild mit wechselnden Kulissen, die alle ausgewogen mit der vom Text erzeugten Atmosphäre harmonierten. Auch die schauspielerische Leistung wirkte insgesamt sehr gelungen und völlig frei von Übertreibungen und Geschmacklosigkeiten. Lotte de Beer bewies ein tiefes Verständnis für den dramatischen Kern der Bühnenhandlung und lieferte eine äußerst angemessene, stimmige und ästhetisch ansprechende Bühnenperformance ab.

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Im Vergleich zu früheren Aufführungen wurde der musikalische Teil der Produktion nahezu vollständig überarbeitet. Für diese Wiederaufnahme wurde das Dirigat Daniele Rustioni anvertraut, einem jungen Mailänder Musiker, der in den letzten Jahren von Publikum und Kritikern gleichermaßen gefeiert wurde, insbesondere für seine Arbeit als Chefdirigent der Opéra National de Lyon. Wie schon bei früheren Aufführungen, bei denen ich ihn erlebt habe, bewies Rustioni auch hier ein umfassendes Verständnis der Partitur sowie ein bemerkenswertes Gespür für theatralisches Erzählen. Er begleitete den Gesang flexibel und gewissenhaft und entlockte dem Bayerischen Staatsorchester, das wie immer in exzellenter Form war, wunderschöne Klänge. Die sanften, zarten Orchesterklänge in den intimen Szenen und die grandiose dramatische Spannung, die der Dirigent in der Kirchenszene und im Schlussakt erzeugte, waren die Höhepunkte einer wahrhaft bemerkenswerten Orchesterleitung, die erzählerisch und theatralisch gleichermaßen überzeugte. Auch der Chor der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Christoph Heil war hervorragend und erwies sich in den Massenszenen des zweiten und vierten Akts als der eigentliche Co-Hauptdarsteller des Abends.

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Da Faust eine Oper ist, in der die Gesangstalente eine fundamentale Rolle spielen, hängt der Erfolg einer Aufführung von Gounods Partitur natürlich maßgeblich von den Sängern ab. Die Gesangsriege dieser Aufführung wurde von dem Mephistopheles des amerikanischen Bassbaritons Kyle Ketelsen dominiert, dem einzigen verbliebenen Mitglied der Originalbesetzung. Er verkörperte eine diabolische Figur, die von Sarkasmus, spöttischer Ironie und subtiler Verführung durch eindringliche Phrasierung und perfekt kalkulierte Nuancen geprägt war. Der polnische Tenor Piotr Beczała, der seinen ersten von zwei geplanten Auftritten krankheitsbedingt absagen musste, bot einen stimmlich bewunderten Faust, der sich durch Eleganz, Reinheit der Linie und gefühlvolle Phrasierung auszeichnete. Seine Stimme klang trotz seiner 58 Jahre in perfekter Verfassung und bewahrte eine strahlende Leuchtkraft in den hohen Lagen, wie etwa im abschließenden C der Romanze „Salut demeure“, das vom Publikum begeistert beklatscht wurde. Nicole Car, eine australische Sängerin die regelmäßiger Gast an großen internationalen Theatern ist, verkörperte die Marguerite. Ihre Stimme bestach durch ihr interessantes Timbre und ihre Textur, obwohl die leichten, aber hörbaren Schwierigkeiten bei der Ausführung von die fioriture in der Air des Bijoux darauf hindeuteten, dass die Sopranistin nicht ganz mit Virtuosität und Koloraturgesang vertraut war. In den folgenden Szenen jedoch wurden ihre leidenschaftliche Phrasierung und die Intensität ihres Spiels, insbesondere in der Kirchenszene und im Schlusstrio, sehr geschätzt. Der österreichisch-russische Bariton Boris Pinkhasovich überzeugte ebenfalls als Valentin, vornehmlich durch sein exzellentes legato in der Arie sowie durch einige schöne, intensive und bewegte Phrasierungen in Passagen wie dem Tenor-Bass-Trio und der Todesszene. Auch Emily Sierra bot eine sehr gelungene Leistung als Siebel, ebenso wie Andrew Hamilton als Wagner und Dshamilja Kaiser als Marthe. Ein durchschlagender Erfolg am Ende, ein wahrer Triumph für Beczała und Ketelsen.


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