
Foto ©Staatstheater Nürnberg/Pedro Malinowski
Die Neuinszenierung von Alban Bergs Lulu am Staatstheater Nürnberg wurde von der deutschen Musikkritik begeistert aufgenommen. Bergs zweite Oper, die er aufgrund seines frühen Todes nicht vollenden konnte, stellt nach wie vor eine gewaltige Herausforderung dar, die das Theater in der deutschen Hauptstadt mit Bravour gemeistert und eine in jeder Hinsicht vorbildliche Aufführung geschaffen hat. Jens-Daniel Herzog, der 62-jährige, in Stuttgart geborene Regisseur und seit 2019 Intendant des Staatstheaters Nürnberg, setzte die gotisch-komische Handlung und die rasante Abfolge von Wendungen mit außergewöhnlicher Wirkung um. Er schuf eine Inszenierung, die durch ihre erzählerische Kraft fesselt, bewegend und in jedem Detail perfekt ausbalanciert ist und in ihren wechselnden Momenten von Komik, Sentimentalität, Zynismus und Schrecken ein absolut unerbittliches Tempo aufweist. Die beiden Komödien Frank Wedekinds, auf denen Alban Berg das Libretto seiner Oper basierte, sorgten aufgrund ihrer scharfen und vernichtenden Kritik an der Heuchelei einer Gesellschaft, gegen deren Konventionen die Protagonistin rebelliert, bis sie zugrunde geht, von Anfang an für einen Skandal. Jens-Daniel Herzogs Inszenierung hob all diese Aspekte gekonnt hervor und verlieh der Erzählung einen nahtlosen Fluss, ebenso wie die schlichten und essenziellen Bühnenbilder von Mathis Neidhart, die mit wenigen Requisiten auskamen. Das Ergebnis war eine Aufführung von großer theatralischer Wirkung, die jeden Aspekt der Geschichte perfekt einfing.

Foto ©Staatstheater Nürnberg/Pedro Malinowski
Die eindrucksvolle Wirkung dieser Produktion wurde durch die hochkarätige Musik, allen voran die exzellente Orchesterleitung, noch verstärkt. Roland Kluttig, ein 58-jähriger sächsischer Musiker, der in der deutschen Musikwelt für seine akribische Vorbereitung und interpretatorische Strenge hoch geschätzt wird, bot eine spannungsgeladene, hochdramatische Orchesterinterpretation, die nie – anders als bei manchen Dirigenten, die in diesem Werk eine Art sinfonische Dichtung schaffen, die die Stimmen erstickt – erdrückend wirkte. Meisterhaft hob er die harmonische Härte und die schneidenden, expressionistischen Klangfarben der Partitur hervor. Auch dank der Wahl der Fassung von Eberhard Kloke aus dem Jahr 2010 mit ihrer leichteren Orchestrierung und dem Einbezug des Akkordeons war Kluttigs Interpretation von einem makabren, komischen Ton geprägt, der zwischen Groteske und Tragik schwankte und absolut wirkungsvoll war. Die Staatsphilharmonie Nürnberg spielte hervorragend und setzte alle Anweisungen des Dirigenten perfekt um.

Foto ©Staatstheater Nürnberg/Pedro Malinowski
Aus gesanglicher und darstellerischer Sicht ist Bergs Oper im Wesentlichen ein one woman’s show, in dem alle im Text dargestellten menschlichen Typen von der Protagonistin mit einer magnetischen Ausstrahlung dominiert werden, die in dieser Inszenierung von Juliana Zara, der 33-jährigen kalifornischen Sängerin, mit außergewöhnlicher Ausdruckskraft vermittelt wurde. Zuvor hatte sie die Rolle bereits in Darmstadt in einer Produktion gesungen, die ihr zwei Nominierungen für den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ und den Opus Klassik einbrachte. Mit ihrer kristallklaren Stimme, die mühelos die im Text geforderten C und Cis erreichte, und ihrer überschäumenden Bühnenpräsenz zeichnete die junge Amerikanerin ein faszinierendes und hochmodernes Bild eines rebellischen Mädchens, das nach Leben dürstete und sich den Regeln einer von ihr abgelehnten Moral widersetzte. Leidenschaftlich und aufrichtig zeigte sie sich, wie sie war, ohne jemals Ausreden oder Rechtfertigungen zu suchen – ambivalent und geheimnisvoll. Eine wahrhaft bemerkenswerte Leistung, die sich durch ihre Ausdruckstiefe und konzeptionelle Reife auszeichnet, insbesondere für eine so junge Sängerin. Juliana Zara ist zweifellos ein außergewöhnliches Talent, das man in den kommenden Jahren genau beobachten sollte. Sie besitzt großes Potenzial, das ihr den Weg zu einer hochkarätigen internationalen Karriere ebnen könnte.

Foto ©Staatstheater Nürnberg/Pedro Malinowski
An einem Abend, der von einem derart ausdrucksstarken Protagonisten geprägt war, zeigte sich auch das gesamte Ensemble als homogene Einheit und erfüllte die Anforderungen der übrigen Rollen voll und ganz. Besonders hervorzuheben sind die Mezzosopranistin Almerija Delic für ihre intensive Interpretation der Gräfin von Geschwitz und der Bariton Simon Neal, der Dr. Schön mit großer dramatischer Wucht verkörperte – einen Mann, der zunehmend vom Konflikt zwischen seiner Lust und seinem Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung zerstört wird. Der Bassist Taras Konoschchenko als väterlicher und beschützender Schigolch, der Schweizer Tenor Tristan Blanchet als verzweifelter und idealistischer Maler und Georg Festl als pompöser und arroganter Rodrigo waren exzellent. Auch Uwe Stickerts schüchterner und unbeholfener Alwa sowie alle Interpreten der Nebenrollen überzeugten. Ein durchschlagender Erfolg für eine Produktion, die zweifellos zu den besten der letzten Zeit auf deutschen Bühnen zählt.
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