
Die Neuinszenierung von Rigoletto, die im vergangenen März an der Bayerischen Staatsoper Premiere feierte – die dritte Produktion des Münchner Theaters in den letzten zwanzig Jahren –, erhielt von nahezu allen Kritikern negative Kritiken. Sie wurde als statisch, oberflächlich und klischeehaft empfunden. Barbara Wysocka, die bereits eine misslungene Lucia di Lammermoor in München inszeniert hatte, konzentrierte sich in ihrem Bühnenkonzept ausschließlich auf den sexuellen Missbrauch durch die herrschende Klasse. Sie verlegte die Handlung in eine Art dystopische Welt, bevölkert von einem scheinbaren Komitee aus Geschäftsleuten in business suit, die sich der Demütigung junger Mädchen auf ihren Festen verschrieben haben. Rigoletto lebt in einer Art Container für Flüchtlinge oder Erdbebenopfer, und im dritten Akt verwandelt sich Sparafuciles Wirtshaus in einen S&M Club. Ehrlich gesagt, gibt es zu dieser Aneinanderreihung billiger, überflüssiger Plattitüden nicht viel zu sagen. Sie zeugen lediglich von einem mangelnden Verständnis für eine Oper, in die Verdi eine Fülle von Emotionen einfließen ließ, die die polnische Regisseurin offenbar nicht versteht oder für die sie sich nicht interessiert. Fairerweise muss man hinzufügen, dass die Aufführung technisch gelungen war und das Zusammenspiel des Ensembles gut ausgeführt wurde.

Die Besetzung der Wiederaufnahme für die Opernfestspiele, fast vollständig erneuert, konnte sich auf die Anwesenheit zweier Superstars der internationalen Opernszene freuen: Nadine Sierra und Ludovic Tezier. Der in Marseille geborene Bariton debütierte in dieser Rolle erst vor drei Jahren in Madrid und erntete dafür großen Beifall von Publikum und Kritikern. Im vergangenen Jahr sang er sie erneut in der Arena von Verona. Seine Interpretation war zweifellos bemerkenswert, dank der technischen Präzision und des strengen Stils, der Tezier vielleicht zum einzigen international renommierten Bariton unserer Zeit macht, der singen statt schreien kann. Im ersten Akt wirkte der französische Sänger jedoch etwas unbeholfen, mit unnötigem Gelächter in der ersten Szene, einem nuancenlosen Monolog und einem zwar guten, aber unauffälligen Duett mit Gilda. Seine Darbietung nahm ab dem zweiten Akt Fahrt auf. Die Szene mit den Höflingen trug er mit genau dem richtigen tragischen Akzent, und das zweite Duett mit Gilda war intensiv und inspiriert phrasiert und vermittelte Schlagkräftig die zarte und bittere Tragik der Szene. Auch die Ausdruckskraft seiner Deklamation im dritten Akt war bemerkenswert, und die Schlussszene fesselte durch ihren ergreifenden Akzent. Mit etwas weiterer Verfeinerung könnte Teziers Rigoletto zu den besten Interpretationen dieser Rolle der letzten Jahrzehnte zählen.

An seiner Seite bot Nadine Sierra die wohl beste Interpretation der Gilda unserer Zeit. Die Sopranistin aus Miami zeichnete das Bild einer lebenshungrigen jungen Frau, die von wahrer Liebe träumt und schließlich beschließt, ein Leben aufzugeben, das all ihre Hoffnungen zunichtegemacht hat. Ihr Gesang ist durchweg erstklassig, ihre Stimme bewegt sich mühelos über die Notenzeile, und die bewegende, nuancierte Phrasierung zeugt von einer Sängerin der Extraklasse. Eine wahrhaft herausragende Aufführung, die ihren Höhepunkt in der berühmte Aria Caro nome erreichte – außergewöhnlich in ihrer virtuosen Eleganz und Intensität – und deren dritter Akt durch die dramatische Kraft von Gesang und Schauspiel bestach.

Neben zwei Künstlerpersönlichkeiten dieses Kalibers bot der Rest des musikalischen Teils wenig Wertvolles. Der junge usbekische Tenor Bekzhod Davronov, der den Herzog verkörpert, verfügt über eine technisch unreife Stimme, der es an Volumen und Tragfähigkeit mangelt. Sie klingt oft angestrengt und gequält, und wenn der Sänger modulieren will, fällt der Klang häufig ins Leere. Die Phrasierung ist mechanisch und oberflächlich, es fehlt ihr völlig an der Eleganz und der verführerischen Kühnheit, die der Herzog ausstrahlen sollte. Auch Riccardo Fassis Sparafucile und Rihab Chaiebs Maddalena wirkten farblos und unpersönlich. Maurizio Beninis Dirigat war eher schwach. Er beschränkte sich darauf, die Sänger mit einem flachen und banalen Klang zu begleiten, wobei es mitunter an rhythmischer Kohärenz und Respekt vor den dynamischen Anweisungen mangelte, etwa im Schlusschor der ersten Szene, wo das von Verdi in der Partitur vorgeschriebene sottovoce e legato zu einer Reihe vulgärer und unpassender Schreie verkam. Die herausragenden Darbietungen von Tezier und Nadine Sierra allein genügten jedoch, um die künstlerische Qualität eines Abends zu sichern, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde und in dem Bariton und Sopranistin einen wahren Triumph feierten.
