Internationale Händel Festspiele Karlsruhe – Rinaldo

Foto ©Felix Grünschloß

Jedes Jahr in der zweiten Februarhälfte finden im Badischen Staatstheater die Internationalen Händel-Festspiele statt, das wichtigste deutsche Festival, das dem Komponisten aus Halle gewidmet ist und an dem viele der renommiertesten Spezialisten für das Opernrepertoire des 18. Jahrhunderts teilnehmen. Unter den Titeln der 48. Ausgabe interessierte mich besonders Rinaldo, aufgeführt in der selten gespielten, überarbeiteten Fassung von 1731. Im Allgemeinen wird die Originalfassung von 1711 bevorzugt, mit der Händel sein englisches Bühnendebüt im Queen’s Theatre in Haymarket gab und die er zwanzig Jahre später mit wesentlichen Änderungen an der Partitur überarbeitete. Zu den wichtigsten Änderungen zählten die Transposition der Stimmlage für Argante (vom Bass zum Alt), Armida (vom Sopran zum Alt), Rinaldo (vom Kastraten-Sopran zum Kastraten-Alt) und Goffredo (vom Kastraten-Alt zum Tenor). Sechs Arien wurden durch andere aus Partenope, Admeto und Lotario ersetzt, und die Figur des Eustazio wurde gestrichen. Die Dramaturgie wurde in der Neufassung ebenfalls überarbeitet, mit einer anderen Reihenfolge der Arien und einem neuen Schluss, in dem Argante und Armida von einem Drachen entführt werden, anstatt zum Christentum zu konvertieren. Insgesamt wurde in dieser Version die Spektakelhaftigkeit der Kriegsszenen zugunsten einer stärkeren Betonung der privaten Zuneigung abgeschwächt, auch durch eine reduziertere Instrumentierung als im Original. Die Neufassung war kein großer Erfolg und wurde nach nur sechs Aufführungen zurückgezogen. Meiner Meinung nach ist die Originalpartitur insgesamt vorzuziehen, aufgrund ihrer größeren instrumentalen Brillanz und Theatralik, und weil die Überarbeitung den Charakter Argantes stark benachteiligt, der all seine schönsten Arien verliert. In jedem Fall ist das Hören der zweiten Fassung sicherlich sehr hilfreich, um alle Aspekte von Händels Kompositionsprozess zu verstehen, wie es sich für ein monographisches Festival gehört.

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Die Inszenierung wurde Hinrich Horstkotte anvertraut, einem 54-jährigen rheinischen Regisseur, der auch Bühnenbild und Kostüme entwarf. Für diese Produktion strebte er danach, die Techniken und die Atmosphäre des Barocktheaters in einer eleganten und fesselnden visuellen Atmosphäre wiederzubeleben, die durch das von Stefan Wolnke geschaffene Lichtspiel wunderbar verstärkt wurde. Die Aufführung besaß eine eigene Logik und einen eigenen Stil, der, ohne jemals die ursprüngliche Dramaturgie des Autors zu verfälschen, zahlreiche Momente feinster Theaterkunst bot. Auch der musikalische Teil, dargeboten von den Deutschen Händel-Solisten unter der Leitung von Rinaldo Alessandrini, war in seiner philologischen Strenge und stilistischen Präzision beispielhaft. Der 66-jährige römische Dirigent, Organist und Cembalist gilt seit Langem als einer der profiliertesten Interpreten dieses Repertoires, und seine Interpretation zeichnete sich durch die Schönheit der Instrumentalklänge, die sorgfältige Begleitung der Sänger und die perfekte Balance zwischen Orchestergraben und Bühne sowie durch ein ausgeprägtes Gespür für Theater und szenische Atmosphäre aus.

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Auch die Besetzung, die einigen renommierten Spezialisten des Barockrepertoires umfasste, war insgesamt überzeugend. Der 55-jährige amerikanische Countertenor Lawrence Zazzo brachte die sentimentalen Aspekte von Rinaldos Charakter mit großer Eindringlichkeit zum Ausdruck, erfasste aber die heroischen Aspekte aufgrund einer eher schwachen und schlecht definierten Aussprache nicht so adäquat, wie es bei Sängern in seiner Stimmlage immer der Fall ist. Die 33-jährige italienische Mezzosopranistin Valeria Girardello verkörperte Armida mit souveräner und präziser Phrasierung sowie absoluter Präzision in ihren virtuosen Passagen. Auch die französische Sopranistin Suzanne Jerosme überzeugte als Almirena mit ihrem schönen legato und ihrem leuchtenden Timbre. Die kalabrische Altistin Francesca Ascioti, eine renommierte Interpretin von Opern des 18. Jahrhunderts, verlieh Argante mit ihrem dichten, gleichmäßigen Timbre stimmliche und Bühnenpräsenz. Der spanische Tenor Jorge Navarro Colorado bot ebenfalls eine sehr gute Leistung als Goffredo mit seinem makellosen Gesangsstil und seiner klaren Phrasierung. Der argentinische Bassbariton Lisandro Abadie lieferte in den Doppelrollen des christlichen Magiers und des Herolds ebenfalls eine makellose Leistung ab. Die Aufführung war ein durchschlagender Erfolg in einem ausverkauften Theater.


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