Bayreuther Festspiele 2024 – Tannhäuser

Tannhäuser 2024

Foto ©Enrico Nawrath

Die großartige Inszenierung von Tannhäuser, die Tobias Kratzer im 2019, also vor fünf Jahre, bei den Bayreuther Festspielen schuf, gehört sicherlich zu den größten Errungenschaften des Wagner-Theaters der letzten Jahrzehnte und ich bin dieses Jahr bereits zum dritten Mal dort gegangen, um sie zu sehen. Tobias Kratzer, ein 44-jähriger im niederbayerischen Landshut geborener und an der Bayerischen Theaterakademie August Everding ausgebildeter Regisseur, der nach dem Erfolg dieser Inszenierung mit allen großen deutschen Theatern zusammengearbeitet hat, hat eine Inszenierung geschaffen, die durch die Ausdruckskraft überzeugt Stärke der szenischen Darstellung innovative Kühnheit und Kohärenz der eisernen Erzählung müssen zweifellos zu den besten Wagner-Darbietungen der letzten Jahre gezählt werden. In der Wagner-Partitur, aufgeführt in der Dresdner Fassung von 1845, sieht und spürt Kratzer in seiner szenischen Konzeption die ganze transgressive Kraft des unreifsten, jungen und revolutionärsten Wagner, sowohl in musikalischer als auch in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht. Dies ist der Schlüssel zum Verständnis seiner Inszenierung, die auf starken und provokanten Bildern basiert, aber perfekt mit der Handlung übereinstimmt und völlig im Einklang mit den Merkmalen des Textes steht.

Tannhäuser 2024

Foto ©Enrico Nawrath

Kratzer erzählt die Geschichte von Tannhäuser als die eines Künstlers, der der offiziellen Kultur überdrüssig und auf der Suche nach Meinungsfreiheit ist und sich irgendwann dazu entschließt, in seine Herkunftswelt zurückzukehren, wo seine kühne Kreativität jedoch einen Skandal auslöst, der ihn dazu zwingt wegziehen, auf der Suche nach einer Erlösung, die niemals kommen wird. Der Clown, die Drag Queen und der deformierte Junge, der genau wie Oskar Matzeraths Figur aus dem berühmten Roman Die Blechtrommel von Günter Grass gekleidet ist, sind einfach das Abbild davon eine verkommene Welt, aus der sich Tannhäuser erlösen will. Es ist eine logische Idee, die sehr gut funktioniert und nichts Respektloses an sich hat. Das herzzerreißende Schlussbild, in dem Wolfram den Körper einer blutenden Elisabeth bedeckt, die Tannhäuser in seinen Armen in einer Pose hält, die an Michelangelos Pietà erinnert, bildet den bewegenden Abschluss einer Vorstellung, der Emotionen von höchster Intensität weckt und uns noch heute durch ihre emotionale Aufladung beeindruckt , die perfekte Abstimmung zwischen Video, Schauspiel und Musik, die Verfeinerung der Zitate und der Bühnengeschichte.

Tannhäuser 2024

Foto ©Enrico Nawrath

Die Besetzung wurde im Vergleich zu den Aufführungen im Jahr 2019 nahezu völlig verändert. Nathalie Stutzmann, die bei den letztjährigen Aufführungen als zweite Frau am Pult des Festspielhauses debütierte, schuf ein insgesamt zufriedenstellende, wenn auch nicht so viel originelle Interpretation. Unterstützt wurde die französische Dirigentin und Altistin dabei in idealer Weise von dem wunderbaren Orchester und Chor, der sich unter der Leitung von Eberhard Friedrich als authentischer Co-Protagonist des Abends etablierte. Was die Gesangsbesetzung betrifft, so trat Klaus Florian Vogt als Protagonist an die Stelle des verstorbenen Stephen Gould, dessen Gedenken mit einem Bild in dem während der Ouvertüre projizierten Video unter langem Applaus begrüßt wurde. Vogt sang ziemlich gut, wenn auch mit einer gewissen Kälte im Ausdruck, was sich besonders im großen Monolog des dritten Akts bemerkbar machte. Die norwegische Sopranistin Elisabeth Teige, die wie im letzten Jahr mit großem Erfolg sowohl die Rolle der Elisabeth als auch die der Senta im Der Fliegende Holländer verkörperte, zeigte alle Qualitäten ihrer breiten und klangvollen Stimme als echte Wagnerianische hochdramatische Sopranistin, die sich durchsetzte die Sicherheit der hohen Töne und der innige Ton der Phrasierung, dank derer sie den Ton der hitzigen Leidenschaft in Dich, teure Halle und die verzweifelte Angst des Gebets Allmächt’ge Jungfrau, hör mein Flehen! am besten erreichen konnte und ragte im konzertierten Finale des zweiten Akts mit großer Souveränität aus den anderen Stimmen hervor. Gut war auch die Venus der 41-jährigen kalifornischen Mezzosopranistin Irene Roberts, die ebenfalls über eine kräftige und homogene Stimme verfügte. Der Part des Landgrafen wurde von Günther Groissböck mit ausreichender Phrasierungsautorität gesungen. Von der Originalbesetzung blieb nur noch der Interpret der Rolle des Wolfram übrig, wieder einmal Markus Eiche, ein Sänger wahrlich gehobener Klasse, wie immer edel und elegant in der Phrasierung, großartig in der Ausführung der berühmten Arie O du, mein Abendstern, von ihm gesungen mit einem Ton bitterer und grober Ernüchterung, der perfekt zur Bühnendarstellung übereinstimmte. Am Ende applaudierte das Publikum im Festspielhaus noch lange allen Beteiligten für eine Inszenierung, die auch nach fünf Jahren noch immer große Wertschätzung erfährt. Meiner Meinung nach kann ich sagen, dass mein Aufenthalt in Bayreuth auch in diesem Jahr weitgehend zufriedenstellend war.


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