Osterfestspiele Baden-Baden 2026 – Lohengrin

Foto ©Martin Sigmund

Der Höhepunkt des Programms der Baden-Badener Osterfestspiele ist immer die Opernproduktion. In diesem Jahr wurde Lohengrin in einer Neuinszenierung von Johannes Erath aufgeführt. Der 51-jährige Regisseur aus Rottweil, dessen sehr interessante Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg ich im November 2022 in Frankfurt bewundert hatte, schuf eine szenische Erzählung, die ganz auf düsteren und gedämpften Tönen basiert und einige sehr gelungene Momente wie den Auftritt des Schwans und die spektakulär inszenierten Schlussszenen des ersten und zweiten Akts aufweist. Weniger gelungen fand ich die Schlussszene, in der die Brabanter Krieger als groteske Tiere dargestellt werden, und auch die Charakterisierung von Ortrud und Telramund wirkte etwas banal und hätte vermieden werden können. Die attraktiven Bühnenbilder von Herbert Murauer und die Kostüme von Gesine Völlm, gekonnt in Szene gesetzt durch Joachim Kleins Lichtdesign, schufen eine ästhetisch ansprechende Atmosphäre. Insgesamt eine Inszenierung, die trotz einiger Schwächen mehrere Momente feinster Theaterkunst bot.

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Das Dirigat von Joana Mallwitz hingegen war zweifellos exzellent. Die niedersächsische Musikerin, die sich in den letzten Jahren als eine der begabtesten Dirigentinnen der jungen Generation etabliert hat, hatte Lohengrin bereits in ihrer ersten Spielzeit als Generalmusikdirektorin am Staatstheater Nürnberg mit großem Erfolg aufgeführt und bewies auch in dieser Produktion die Qualitäten einer echten Wagner-Interpretin der Spitzenklasse. Vom Beginn des Vorspiels an, mit dem pianissimo der in Oktaven geteilten Violinen, wunderschön ausgeführt von den Streichern des Mahler Chamber Orchestra, entfaltete sich die Orchestererzählung fließend und reichhaltig, mit instrumentalen Details von exquisiter Feinheit und Tönen von epischer Erhabenheit in den Chorszenen. Auch die Umsetzung bestimmter dramatischer Kontraste war eindrucksvoll, wie etwa die düstere, qualvolle Atmosphäre und die große tragische Kraft, die das Orchester im Duett zwischen Ortrud und Telramund zu Beginn des zweiten Akts hervorrief, gefolgt von der edlen und ergreifenden Singbarkeit, mit der die atemberaubende Melodie in G-Dur präsentiert wurde, die das Duett zwischen Elsa und Ortrud beschließt. Das Mahler Chamber Orchestra erfüllte alle seine Intentionen makellos mit einem vollen, kompakten Klang von absoluter Schönheit und Transparenz. Insgesamt eine großartige Dirigierleistung, eine der besten, die ich je von Wagners Meisterwerk gehört habe.

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Die Stärke der Gesangsbesetzung lag in den beiden herausragenden Hauptdarstellern. Piotr Beczała ist für mich der beste Lohengrin seit Sandor Konya, und er verkörperte erneut einen vollkommenen Protagonisten mit einer Stimme, die trotz seiner 58 Jahre noch immer kraftvoll und strahlend klingt. Seine kultivierte und präzise deutsche Aussprache, seine intensive und konzentrierte Phrasierung sowie das virtuose Legato, inspiriert vom italienischen Gesangsstil, ermöglichten es dem polnischen Tenor, einen wahrhaft edlen und heraldischen Protagonisten darzustellen – sowohl in seinen ritterlichen Gesten als auch in seinen fesselnden Mezzevoci, etwa in der Begrüßung des Schwans und der Gralserzählung Im fernem Land. Die amerikanische Sopranistin Rachel Willis-Sørensen verkörperte eine Elsa, mal ekstatisch und verträumt, mal gequält von der Angst, ihren Traum zerplatzen zu sehen, mit einer Stimme von fesselnder Klangfarbe und exzellenter Ausdehnung in den hohen Lagen. Der koreanische Bass Kwangchul Youn, eine der herausragendsten Wagner-Stimmen der letzten Jahrzehnte, porträtierte König Heinrich eindrucksvoll mit einer nach wie vor kraftvollen und resonanten Stimme und einer äußerst souveränen Phrasierung. Auch der junge Bariton Samuel Hasselhorn, ein Liedinterpret von internationalem Rang, überzeugte mit seiner Interpretation des Heerufers. Die Darsteller des bösen Paares wirkten dagegen weniger überzeugend. Der sechzigjährige Bariton Wolfgang Koch, ein anerkannter Spezialist für Wagners dramatisches Repertoire, hat eine Stimme, die mittlerweile recht abgenutzt und angestrengt ist und ihn oft zu einem unpassend klingenden Sprechgesang zwingt. Auch die badische Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner wirkte stimmlich problematisch und vermochte es nicht, der Figur der Ortrud dramatische Kraft zu verleihen. Das Theater war bei allen drei Vorstellungen ausverkauft, und das Publikum bescherte allen Beteiligten der Produktion einen triumphalen Erfolg.


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