Bayerische Staatsoper – Elektra

Foto ©Geoffroy Schied

Die Bayerische Staatsoper bringt derzeit ihre Produktion von Elektra wieder auf die Bühne, die von Herbert Wernicke, einem der bedeutendsten Opernregisseure der jüngeren Vergangenheit, konzipiert wurde, der 2002 viel zu früh im Alter von nur 56 Jahren verstarb. Bekannt geworden durch eine Reihe von Inszenierungen an den großen Opernhäusern der Welt, pflegte Wernicke eine besondere Beziehung zu den Salzburger Festspielen, wo er unter anderem Orfeo, Fidelio, Der Rosenkavalier, Don Carlo und den großartigen, legendäre Boris Godunov unter der Leitung von Claudio Abbado inszenierte. Der aus dem Schwarzwald stammende Regisseur arbeitete auch intensiv mit der Bayerischen Staatsoper zusammen und arbeitete bis zu seinem Tod an einer Neuinszenierung des Rings des Nibelungen, die jedoch unvollendet blieb.Seine 1997 für das Münchner Theater entstandene Inszenierung von Strauss’ Elektra wird regelmäßig und mit großem Erfolg wiederaufgeführt.Wie alle Bühnenproduktionen Wernickes zeichnet sich auch diese durch eine reduzierte, essentielle Bühnengestaltung und eine sorgfältig ausgearbeitete Dramaturgie aus. Die obsessive, halluzinatorische Atmosphäre der Geschichte wird durch das durchgehend düstere Setting visuell perfekt hervorgehoben, das einen starken Kontrast zum grellen Licht bildet, welches die Figuren gnadenlos ausleuchtet.Fast dreißig Jahre nach ihrer Uraufführung hat Wernickes Bühnenfassung nichts von ihrer Wirkung, Essenz und dramatischen Spannung eingebüßt und gilt bis heute als absoluter Maßstab.

Foto ©Geoffroy Schied

Die Bayerische Staatsoper pflegt seit jeher eine besondere Beziehung zur Musik von Richard Strauss, dessen Werke stets mit großer Sorgfalt inszeniert werden. Auch bei dieser Wiederaufnahme war die musikalische Darbietung wahrhaft exzellent, allen voran dank Vladimir Jurowskis brillantem Dirigat. Der Generalmusikdirektor des Hauses schöpfte alle Möglichkeiten aus, die ihm das Bayerische Staatsorchester bot, eines der besten Opernensembles der Welt, das Strauss’ Musik mit der Selbstverständlichkeit eines Muttersprachlers spielt. Diese Interpretation bestach durch ihre dramatische Kraft und wilde, expressionistische Intensität, wobei sich orchestrale Klänge von barbarischem und mitunter schockierendem Charakter mit exquisiter instrumentaler Raffinesse abwechselten. Eine Atmosphäre psychischer Besessenheit, die sich mitunter in plötzlichen melodischen Ausbrüchen entlud, wie etwa dem As-Dur-Motiv, über dem Elektra die Worte „deine Kind“ intoniert. Diese Ausbrüche unterbrachen gelegentlich die alptraumhafte Atmosphäre, die durch Episoden wie das kurze Zwischenspiel vor dem Duett zwischen Elektra und Klytämneystra erzeugt wurde – ein Marsch, in dem Strauss mit wilden Dissonanzen, einem Klangspektrum von Piccolo bis Tuba, mit geteilten Streichern und allen Arten von Schlaginstrumenten den Höhepunkt der Paroxysmus erreicht; ein Klangmagma an der Grenze zum Lärm, das den Auftritt der von Reue geplagten Ehefrau auf der Bühne musikalisch illustriert. Eine reife und vollendete Interpretation, die zweifellos zu den besten der jüngeren Aufführungsgeschichte dieser Oper zählt.

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Die Besetzung wurde von Elena Pankratovas exzellenter Darstellung der Protagonistin dominiert. Die 56-jährige sibirische Sängerin, eine langjährige Spezialistin für hohe dramatische Sopranpartien bei Wagner und Strauss, meistert die Tessitur der Rolle mühelos und die deklamatorischen Gesangspassagen perfekt. Sie hebt damit die aggressive, von Albträumen besessene und monomanische Rachegelüste hervor, die die grundlegenden Eigenschaften Elektras ausmachen. Violeta Urmana demonstrierte ihr Charisma auch in ihrer Bühnen- und Gesangsdarstellung der Klytämnestra. Sie verkörperte die Reue und die Albträume der mörderischen Königin mit einem gequälten Ton, der sich in subtilen Phrasierungsnuancen ausdrückte, wie etwa dem halluzinatorischen Akzent, mit dem sie die Zeile „Weißt du kein Mittel gegen Träume?“ intonierte, und in ihrer schlagfertigen Antwort auf Elektras aggressive Wildheit während der Konfrontation zwischen Mutter und Tochter. Die junge irische Sopranistin Sinéad Campbell-Wallace glänzte ebenfalls in der Rolle der Chrysothemis und fand in den beiden Szenen mit Elektra bemerkenswerte Nuancen in ihrer Phrasierung. Iain Paterson verkörperte einen stimmlich und visuell eindrucksvollen Orest mit seiner eisigen Ruhe, und der amerikanische Tenor Charles Workman fing die dynamische und neurotische Phrasierung von Aigisths kurzem Eingreifen sehr gut ein. Auch alle Nebenrollen wurden hervorragend besetzt, insbesondere die fünf Mägde. Die Aufführung war ein durchschlagender Erfolg in einem ausverkauften Theater.


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