
Foto ©Barbara Aumüller
Zu den Wiederaufnahmen, die die neue Saison der Oper Frankfurt eröffnen, gehört derzeit die schöne Inszenierung von Peter Grimes, die im 2017 von Keith Warner konzipiert wurde, einem englischen Regisseur, der vor allem für seine Wagner-Inszenierungen bekannt ist, die auch in Bayreuth aufgeführt wurden. Warners perfekt ausgeführte Regie setzt auf ein Bühnenbild mit wenigen, spärlichen Elementen, wobei der Chor im Stil griechischer Tragödien oft bewegungslos im Hintergrund positioniert ist, auf eine sorgfältig kalkulierte und wirkungsvolle Beleuchtung sowie einen zurückhaltenden und gelassenen Schauspielstil. Die Inszenierung folgt getreu den dramatischen Situationen und der Atmosphäre von Montagu Slaters Stück, das von Britten vertont wurde und das sich auch acht Jahre nach seinen Uraufführungen immer noch als absolut aktuell erweist und seine volle Gültigkeit besitzt. Die Atmosphäre des Fischerdorfes ist klar definiert in ihrer Strenge und ihrem Misstrauen gegenüber allem, was fremd oder neu erscheint, während die Kostüme dazu beitragen, das Geschehen in eine sehr klare und präzise Realität zu fassen.

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Die Musik von Brittens Meisterwerk mit ihren herzzerreißenden und verzweifelten dramatischen Akzenten wurde unter der Leitung von Thomas Guggeis perfekt umgesetzt. Der junge Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt lieferte ein höchst ausdrucksstarkes Dirigat ab und erfasste akribisch alle Feinheiten der Orchesterkomposition. Unterstützt wurde er dabei von der großartigen Leistung des Opern- und Museumsorchesters, das wie immer in seiner Einheit und Klangqualität wie ein erstklassiges Ensemble spielte. Aus interpretatorischer Sicht war die Leitung in ihrer beschwörenden Kraft, der Schönheit der Farben und der Betonung der harmonischen Textur absolut vorbildlich. Die Leuchtkraft, die das 32-jährige bayerische Talent der von Flöten und Violinen gesungenen Melodie im ersten Zwischenspiel zu verleihen vermag, ist großartig, ebenso wie das raffinierte Spiel von Licht und Schatten in der Einleitung zum ersten Akt, die perfekte Unterstreichung der qualvollen Atmosphäre im Prolog zum dritten Akt, in dem das fast wörtliche Zitat aus Alban Bergs Wozzeck großartig hervorgehoben wird, und der Ton intensiver Dramatik, der der Sturmszene verliehen wird.

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Auch die Leistung der Gesangsbesetzung war insgesamt hervorragend. Der englische Tenor Allan Clayton gilt heute als der beste Interpret der Rolle des Peter Grimes, da er sie in den größten Theatern gesungen hat. Seine intensive Phrasierung, die Wut, Verzweiflung und Angst des Protagonisten perfekt einfing, erfasste alle Aspekte der Rolle perfekt und gipfelte in einer in ihrer Tragik wahrhaft bewegenden Szene des Wahnsinns voller Herzschmerz und Qual. Die 39-jährige bayerische Sopranistin Magdalena Hinterdobler, die ich bereits in der Oper Frankfurt als hervorragende Eva in den Meistersingern gehört hatte, porträtierte wunderschön die mütterliche und beschützende Natur von Ellen, der verwitweten Lehrerin, die Grimes’ einzige Verteidigerin im Dorf ist, mit einer Phrasierung voller Wärme und Menschlichkeit. Der amerikanische Bassbariton Nicholas Brownlee, der sich als aufstrebender internationaler Künstler etabliert, porträtierte wirkungsvoll die Figur des Captain Balstrode und zeigte dabei eine solide und schöne Stimme. Auch die Darstellung der Gastwirtin Tante durch die Mezzosopranistin Katharina Magiera war sehr gelungen, ebenso wie die alle anderen Sänger, die die Nebenrollen übernahmen. Ein volles Haus und ein durchschlagender Erfolg für eine wirklich herausragende Aufführung.
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