
Foto ©Monika Rittershaus
Thomas Guggeis beendete seine zweite Saison als Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt mit seiner ersten Aufführung des Parsifal. Nach seinen überzeugenden Auftritten im Ring an der Staatsoper Berlin und im Tannhäuser vor einem Jahr in Frankfurt bestätigte der 32-jährige bayerische Maestro mit seiner ersten Interpretation einer reichen und komplexen Partitur, die zu den absoluten Meisterwerken nicht nur der Musik, sondern der gesamten westlichen Kunst zählt, seinen Status als vollendeter und reifer Wagner-Interpret. Sein Dirigat basierte auf meist straffen Tempi und einer faszinierenden Klangfülle, die vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester, das als großes Ensemble von internationalem Rang spielte, hervorragend umgesetzt wurde. Die schillernden und transparenten Instrumentalfarben des Vorspiels, die Flüssigkeit der Erzählung, die perfekte Umsetzung der komplexen Architektur in den Chorszenen, die exquisite Wendung der Melodielinien im zweiten Akt und die geheimnisvoll melancholische Atmosphäre der Eröffnungsszene des dritten Akts, die allmählich in die instrumentale Leuchtkraft des Karfreitagszaubers überging, gefolgt von einer Schlussszene, die für die Leichtigkeit und Transparenz der Orchesterfarben bewundernswert ist, waren die bedeutendsten Merkmale einer Interpretation auf höchstem Niveau, mit der sich Thomas Guggeis zu den besten und bedeutendsten Wagner-Interpreten unserer Zeit zählt. Nach einer solchen Leistung erwarten wir eine Einladung des jungen Musikers aus Dachau zu den Bayreuther Festspielen, die unbedingt ein Dirigententalent gewinnen müssen, das in der Lage ist, in der Interpretation von Wagners Opern Hochinteressantes zu bieten. Während wir darauf warten, werden wir Guggeis’ Debüt am Pult der Berliner Philharmoniker in der kommenden Saison verfolgen.

Foto ©Monika Rittershaus
Die szenische und dramaturgische Umsetzung der Neuproduktion wurde Brigitte Fassbaender anvertraut, die nach ihrem Wirken als eine der größten Sängerinnen der Nachkriegszeit eine erfolgreiche Karriere als Regisseurin startete und in deren Verlauf sie rund 90 Opern inszenierte. Nach ihrer umjubelten Inszenierung des Rings in Erl nahm sich die Berliner Künstlerin im Alter von 85 Jahren Parsifal vor. Die schönen Bühnenbilder und Kostüme von Johannes Leiacker schufen eine Atmosphäre nüchterner Dramatik, in der Fassbaender das Bühnenverhalten der Figuren bis ins kleinste Detail perfekt aufeinander abstimmte. Das Vorspiel wurde visuell von einer Bilderfolge aus der Série des Cathédrales de Rouen von Claude Monet begleitet, die Dekorationen der Gralsszenen und jene des zweiten Aktes waren von denen der Tropfsteinhöhle im Schloss Linderdorf inspiriert, das vom bayerischen König Ludwig II. erbaut wurde. Sehr interessant war auch die Kostümfolge für Parsifal: Im ersten Akt als frecher Bengel, im zweiten als Rittergewand und im dritten mit einer Lanze in der Hand, mit dunklem Hut und Umhang, fast wie Wotan in der Rolle des Wanderers. Insgesamt war Fassbaenders Regie bemerkenswert, sehr respektvoll gegenüber der von Wagner konzipierten Bühnengeschichte, geradlinig und mit Logik und Stil ausgestattet, ohne im Bühnentext nach dem zu suchen, was nicht vorhanden ist, und ohne sich in absurden Ästhetizismen zu verlieren.

Foto ©Monika Rittershaus
Die Sängerinnen und Sänger, szenisch und musikalisch souverän geführt, boten eine Gesamtleistung auf wahrhaft hohem Niveau. Herausragend war vor allem der beeindruckende Gurnemanz des Basses Andreas Bauer Kanabas, gebürtig aus Jena und seit zwölf Jahren Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. Wie kaum ein anderer meisterte er diese lange und schwierige Partie mit stimmlicher Autorität, plastischer Deklamation und einer bis ins kleinste Detail sorgfältig ausgearbeiteten Phrasierung. Eine Interpretation, die zweifellos mit der von Künstlern wie René Pape und Georg Zeppenfeld, den heute anerkanntesten Interpreten dieser Partie, vergleichbar ist. Auch Kundrys Darstellung der 47-jährigen amerikanischen Mezzosopranistin Jennifer Holloway war hervorragend mit einer resonanten Stimme, die über den gesamten Stimmumfang hinweg perfekt homogen war. Der 36-jährige Bassbariton Nicholas Brownlee, den ich in überzeugenden Interpretationen von Hans Sachs in Frankfurt und von Wotan und Holländer an der Bayerischen Staatsoper gehört hatte, porträtierte einen von Schmerz und Reue geplagten Amfortas mit einer Phrasierung von großer Intensität und ausdrucksstarker Reife. Der amerikanische Tenor Ian Koziara, der den Protagonisten spielte, hat eine Stimme von leicht wolkiger Farbe, aber sonor im hohen Register, und er skizzierte die fortschreitende psychologische Entwicklung der Figur mit ausreichender Sicherheit und interpretatorischer Persönlichkeit. Sehr gut war auch der Klingsor des Baritons Simon Bailey, der im letzten Moment für einen erkrankten Kollegen eingesprungen war, und auch die Leistung aller Interpreten der Nebenrollen war tadellos. Das Publikum applaudierte allen Darstellern einer wirklich hochwertigen Aufführung lange und herzlich.
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