Bayerische Staatsoper – Die Liebe der Danae

Foto ©Geoffroy Schied

Die Bayerische Staatsoper hatte Die Liebe der Danae seit mehr als vierzig Jahren nicht mehr aufgeführt. Dabei handelte es sich um die vorletzte Oper von Richard Strauss, auch wenn ihre Uraufführung zwei Jahre nach „Capriccio“ stattfand. Eigentlich hatte Strauss eine Aufführung des Werks erst nach Kriegsende veranlasst, konnte sich jedoch später von Clemens Krauss dazu überreden lassen, eine Aufführung bei den Salzburger Festspielen anlässlich seines 80. Geburtstags zuzulassen. Die von Hitler nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 angeordnete Schließung aller deutschen Theater verhinderte die Veranstaltung jedoch und gestattete lediglich eine Generalprobe vor eingeladenem Publikum. Die erste öffentliche Aufführung des Werkes fand am 14. August 1952 erneut in Salzburg und immer unter der Leitung von Clemens Krauss statt.

Die Liebe der Danae geht auf einen Entwurf von Hugo von Hofmannsthal zurück, der von Joseph Gregor weiterentwickelt wurde, einem österreichischen Schriftsteller und Historiker, der für Strauss auch die Libretti für Daphne und Friedenstag verfasste. Auch wenn die Entwicklung der Handlung etwas schwerfällig ist, ist die im Text dargestellte Darstellung der Götter als Wesen, die in einer von Dekadenz geprägten Welt den menschlichen Leidenschaften ausgeliefert sind, durchaus interessant und nicht ohne Reiz. Die außergewöhnliche Qualität der Partitur, die einige der inspiriertesten Seiten aus Strauss‘ letzter Schaffensphase enthält, trägt wesentlich dazu bei, eine Handlung, der es ein wenig an authentischen Theatereffekten mangelt, in einem ausdrucksstarken Klima verschleierter Melancholie zum Leben zu erwecken, das eine Art nostalgisches Bedauern über die Vergangenheit hervorruft.

Foto ©Geoffroy Schied

Mit der Neuinszenierung betraut die Bayerische Staatsoper Claus Guth, einen 61-jährigen Regisseur aus Hessen, dessen Tätigkeit seit langem ihren Schwerpunkt im Strauss-Theater hat. Die Bühnengeschichte handelte von einer zeitgenössischen kapitalistischen Gesellschaft, die nur auf dem Wert materieller Güter basierte, gegen die sich Danae auflehnte und die es vorzog, ihren Gefühlen zu folgen. Abgesehen von der zeitlichen Verschiebung blieb die Regie dem Text ziemlich treu und bot mehrere gute Theatermomente, vor allem im zweiten Akt, wo die Szene des Streits zwischen Jupiter und Midas um die Liebe von Danae, die sich neben einem riesigen goldenen Bett abgespielt wurde, besonders wirkungsvoll wirkte. Sehr schön war auch die Schlussszene, in der Jupiter seinen Monolog vor dem Hintergrund eines Videos sang, das das zerstörte München nach den Bombenangriffen und den alten Richard Strauss bei einem Spaziergang durch den Park seiner Villa in Garmisch zeigte.

Foto ©Geoffroy Schied

Auf hohem Niveau war auch der musikalische Teil, geleitet von Sebastian Weigle, der hier als einer der erfahrensten und interessantesten Interpreten der Werke von Wagner und Strauss gilt und während seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt mehrere Werke des Münchner Komponisten erfolgreich zur Aufführung gebracht hat, darunter auch dieses im Jahr 2016. Unter seiner Leitung zeigte das Bayerische Staatsorchester seine tiefe stilistische Affinität zur Musik von Richard Strauss, einem Autor, den die bayerischen Musiker wahrlich in ihrer DNA haben und den sie mit der Natürlichkeit derjenigen interpretieren, die sich in ihrer Muttersprache ausdrücken.

Was die Gesangsbesetzung betrifft, gebührt der größte Verdienst Manuela Uhl, einer 59-jährigen Sopranistin aus Ravensburg, die die erste Aufführung rettete, indem sie mit nur wenigen Stunden Vorlauf für Malin Byström einsprang, die wegen einer Grippe absagen musste. Es gibt nur wenige Sängerinnen, die die Partie der Danae in ihrem Repertoire haben, doch die schwäbische Sopranistin hatte sie bereits in Kiel und an der Deutschen Oper Berlin gesungen und dabei eine wahre interpretatorische Meisterleistung vollbracht, die vom Münchner Publikum zu Recht mit begeistertem Beifall bedacht wurde. Ihr zur Seite stand der österreichische Tenor Andreas Schager, der heute als bester Interpret der Opern von Wagner und Strauss gilt und in der Rolle des Midas mit perfektem legato und strahlenden, klingenden Höhennoten glänzte. Ebenfalls hervorragend war Christopher Maltman als Jupiter, eine besonders exponierte Baritonrolle, welche sich im Tonumfang von G bis g’ bewegt (die meiste Zeit allerdings zwischen g und g’). Mit großer Leichtigkeit meisterte der 55-jährige Sänger aus Lincolnshire alle anspruchsvolleren Passagen und verkörperte dank einer intelligenten und nuancierten Phrasierung die Figur eines galant und hinterlistig Verführer. In den Nebenrollen lieferte Vincent Wolfsteiner eine sehr gute Leistung als Pollux ab, der eine Donald-Trump-Perücke trug. Auch die vier Ex-Geliebten von Jupiter (Sarah Dufresne, Evgeniya Sotnikova, Emily Sierra und Avery Amereau) waren gut und in ihrer Phrasierung sehr ausdrucksstark und witzig. Das Theater war ausverkauft, wie es in München immer der Fall ist, wenn Strauss’ Werke aufgeführt werden, da er in Bayern als wahre Nationalikone gilt. Am Ende spendete das Publikum langen und begeisterten Applaus für eine insgesamt hervorragende Produktion.


Scopri di più da mozart2006

Abbonati per ricevere gli ultimi articoli inviati alla tua e-mail.

Lascia un commento

Questo sito utilizza Akismet per ridurre lo spam. Scopri come vengono elaborati i dati derivati dai commenti.