
Foto ©Matthias Baus
Mit der Premiere der Götterdämmerung hat die Staatsoper Stuttgart das Projekt zur Neuinszenierung des Ring des Nibelungen, des Monumentalwerks von Richard Wagner, abgeschlossen. Es war das ambitionierteste Projekt von Viktor Schoner, der seit 2018 Intendant des Theaters ist. Zur Bewertung des Gesamterfolgs des Projekts würde ich sagen, dass der Erfolg des musikalischen Teils dem des szenischen Teils weit überlegen war. Die Idee, die vier Teile von Wagners Szenischen Festspielen vier verschiedenen Intendanten anzuvertrauen, war das Konzept, das der bisherigen Inszenierung zugrunde lag, entstanden unter der Intendanz von Klaus Zehelein. Schon damals waren die Ergebnisse gemischt, denn die Inszenierungen von Siegfried und Götterdämmerung waren qualitativ viel höher als die der ersten beiden Tage der Tetralogie. Für diese neue Bühnenproduktion nach dem insgesamt eher unbefriedigenden Ausgang der Walküre mit den drei Akten, die drei verschiedenen Regieteams anvertraut wurden, und der Wiederbelebung der von Jossi Wieler und Sergio Morabito konzipierten klassischen Siegfried-Inszenierung, für den vierten Teil des Zyklus die Aufgabe die Regie übernahm Marco Storman, der 42-jährige gebürtige Hamburger, der hier in Stuttgart mit seiner Inszenierung von Nixon in China und im vergangenen Sommer mit Monteverdis L’ Orfeo in den Räumen von Im Wizemann gute Erfolge erzielt hatte.

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Für seine visuelle Konzeption von Wagners Oper konzentrierte sich Storman auf Symbole und szenische Elemente aus verschiedenen Epochen: Die von Demian Wohler gestalteten Szenen wechselten die Darstellung primitiver Atmosphären mit schamanischen Symbolen mit zerstörten Innenräumen, die an einen Senatssaal des alten Roms erinnerten. Auch die Kostüme von Sara Schwarz evozierten keine genaue Epoche, sondern eher eine generische Zeitlosigkeit. Meiner Meinung nach bestand der Hauptfehler des Regisseurs darin, dass vor diesem sicherlich nicht trivialen Hintergrund die Bühnenhandlung in der Charakterisierung der Charaktere verwirrt und nicht überzeugend geführt wurde. Ein Siegfried, der sich wie ein verwöhntes Kind bewegt, lenkt ernsthaft von der Darstellung der Figur ab und auch die spießig-komödiantische Bühnenattitüde der anderen Rollen wirkte banal und oft langweilig. Das szenische Spiel jedenfalls funktionierte in den ersten beiden Aufzügen ziemlich gut. Im dritten Aufzug spitzte sich die Situation durch eine verworrene Bühnenhandlung zu, die absolut von der Handlung abgekoppelt war und der es eindeutig an Logik und Glaubwürdigkeit mangelte. Der Schluss erschien ausgesprochen unangenehm und geschmacklos, mit Siegfried, der nicht tot war und mit Brünnhilde auf einem Einhorn davonritt, während ein halbes Dutzend Kinder die Szene betraten, die in letzter Zeit ein unverzichtbares Element in à la Page-Produktionen zu sein scheinen.

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Garant für den Erfolg des Abends war, wie so oft bei ähnlichen Anlässen, eine musikalische Darbietung auf höchstem Niveau. Cornelius Meisters Dirigat wirkte deutlich reifer und selbstbewusster als bei den Bayreuther Auftritten im vergangenen Sommer. Trotz einiger Durchhänger aufgrund von Überanalyse erhielt der Generalmusikdirektor der Staatsoper eine großartige Orchesterleistung von einem Staatsorchester, das wie ein erstklassiges Ensemble klang. Großartig war auch der Auftritt des von Manuel Pujol vorbereiteten Chores, der einmal mehr seine künstlerische Stellung als eine der besten Gesangsgruppen der deutschen Szene bestätigte.

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Die Leistung der Besetzung war insgesamt auf einem guten Niveau und wirkte in allen Rollen ausgewogen und homogen. Der Tenor Daniel Kirch, der den Siegfried verkörperte, zeigte einen sehr sicheren und kontrollierten Gesang, weit besser als seine Parsifal-Darbietung, die wir vor einigen Jahren hier in Stuttgart gehört haben. Sehr gut war auch die Leistung von Christiane Libor, die Berliner Sängerin, die an den deutschen Theatern derzeit als eine der besten Brünnhilden gilt und die auch ohne großes Phrasierungsgespür sehr gut auf die Schwierigkeiten eingegangen ist, die die komplizierte Struktur der Rolle mit sich bringt. Sehr gut war auch Esther Dierkes, die 32-jährige Sopranistin aus Münster, direkt aus dem Opernstudio ins Staatsopernensemble berufene, die wie Gutrune alle Vorzüge einer Stimme mit einem schönen silbernen Timbre zeigte, homogen über den ganzen Umfang und schaffte sehr gut im Hinblick auf die Kontrolle der Stimmabgabe. Auch aus interpretatorischer Sicht erschien die von der jungen Sängerin skizzierte Charakterisierung interessant und theatralisch sehr gelungen. In der Rolle des Gunther zeigte der japanische Bariton Shigeo Ishino, der seit mehreren Jahren Ensemblemitglied der Staatsoper ist, alle Vorzüge einer robusten und klangfesten Stimme sowie eine bemerkenswerte musikalische Intelligenz. Stine Marie Fischer verkörperte Waltraute mit einer schönen dunkel gefärbten und sehr attraktiven Altstimme, womit sie den gequälten Ton der Figur im Monolog im Finale des ersten Akts sehr gut wiedergab. Die beste Leistung des Abends aber lieferte der aus dem Ensemble des Nationaltheaters Mannheim stammende Bassist Patrick Zielke, der in der Doppelrolle von Hagen und Alberich eine szenische und stimmliche Ausstrahlung der Extraklasse bewies und makellos den Beginn des zweiten Aktes darbot, die in diesem Fall von der Regisseurin sehr erfolgreich in einen inneren Monolog verwandelt wurde. Sehr frisch und angenehm waren auch die Stimmen der beiden Frauengruppen der Nornen (Nicole Piccolomini, Ida Ränzlöv und Betsy Horne) sowie der Rheintöchter (Eliza Boom, Lindsey Coppens, Martina Mikelic). Über zehn Minuten Applaus unterstrichen am Ende den großen Erfolg der Aufführung.
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